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 Film und Fernsehen
toxic Offline

Platzwart


Beiträge: 25

30.12.2006 20:05
Nachts im Museum antworten

Nach kurzer Kinopause wars dann wieder so weit: Nachts im Museum

Ich dachte, dass wird großes Eventkino zwischen Weihnachten und Neujahr, eine Besetzungsliste voller Superstars und ein Konzept, das puren Spaß verspricht: Was sollte eigentlich bei dieser Abenteuer-Komödie „Nachts im Museum“ falsch laufen? Nicht viel. Doch das actionlastige Spektakel hat einen schwerwiegenden Makel: Das Drehbuchist schlichtweg grausam konstruiert – womit ausdrücklich nicht die phantasievolle Grundidee gemeint ist. Die geballte Starpower und einige gute Gags retten das Millionen Dollar teure Hollywood-Vehikel gerade noch ins Mittelmaß, was angesichts der Ausgangslage eine Enttäuschung ist.

Larry Daley (Ben Stiller) ist ein gutherziger Taugenichts, der es nicht auf die Reihe bekommt, einen regulären Job zu finden. Seine seltsamen Erfindungen scheitern regelmäßig am Markt, doch seine Ex-Frau Erica (Kim Raver) setzt ihn unter Druck. Nur mit einem festen Arbeitsplatz und einem geregelten Leben soll er seinen geliebten Sohn Nick (Jake Cherrry) sehen dürfen. In seiner Verzweifelung entschließt sich Larry, einen Posten zu suchen und hat im New Yorker Museum Of National History Glück und wird dort als Nachtwächter eingestellt. Was die Sache verkompliziert: In der Nacht erwacht das Inventar des Museums zum Leben und will gebändigt werden – denn ohne eine ordnende Hand macht jeder, was er will. Indianer kämpfen gegen Gladiatoren, die Maya-Krieger spielen ebenso verrückt wie die Neandertaler, doch die größte Gefahr geht von den wilden Tieren aus, die Larry entweder zur Verzweifelung bringen oder ihm nach dem Leben trachten. Einen Verbündeten findet er in der Wachsfigur von Theodore Roosevelt (Robin Williams)...

Der Zuschauer bekommt mit „Nachts im Museum“ letztendlich das, was zu befürchten und nicht das, was zu erhoffen war.

Die völlig simple Ausgangsidee des Films klingt spannend: In der Nacht erwacht das New Yorker Naturkundemuseum zu blühendem Leben. Wer dieses Fantasy-Element nicht als Prämisse schluckt, sitzt sowieso im falschen Film, doch das sollte jedem Kinoticketlöser vorher bekannt und somit kein Ärgernis sein. Das größte Problem von „Nachts im Museum“ ist das unausgegorene Drehbuch. Wer in einem potenziellen Popcorn-Blockbuster für ein vorwiegend junges, kindliches und auch kindisches Publikum nach stringenter Logik sucht, ist wahrscheinlich naiv. Doch ganz so einfach wie Ben Garant und Stammpartner Thomas Lennon sollte man es nicht halten. Nach einer straffen 08/15-Charaktereinführung aus dem Setzbaukasten für Formelfilme – inklusive instabiler Vater-Sohn-Beziehung – geht der Zauber auch schon los. Ironischerweise fungieren die Unzulänglichkeiten der Figurenzeichnung als Storymotoren. Anstatt sich das Job-Handbuch zu Gemüte zu führen, dödelt Larry herum, was ihn nach dem Erwachen der Exponate, dem sprichwörtlichen Öffnen der Büchse der Pandora, gleich von null auf hundert ins Chaos und die Action stößt.

Der Zeigefinger, am Ende pädagogisch wertvoll sein zu wollen, bremst das Vergnügen deutlich aus, wie auch der Verzicht auf bissige Gruselmomente, die im Sinne der Familienfreundlichkeit zahnlos ausfallen. Die Idee, den Ansatz von Bösewichten mit dem kauzigen Altstar-Trio Mickey Rooney, Dick van Dyke und Bill Cobb zu besetzen, ist sympathisch. Wirklich dramatisch effektiv ist dieser Schachzug allerdings nicht, als Antagonisten taugen die drei nicht und die Witze, die sie beisteuern, leben lediglich vom rustikalen Gemüt der Darsteller. Da der Love Interest in einem derartigen Reißbrettfilm nicht fehlen darf, nimmt Larry Beziehungskurs auf die hübsche Historikern Rebecca, die von Carla Gugino mit patentem Charme ausgestattet wird, ohne dabei sonderliche Akzente zu setzen.

Unvorteilhaft: Das Tempo und die Variationen kommen dem CGI-Express nach flottem Start zwischendurch ein wenig abhanden. Wenn der Zuschauer etwas Luft bekommt, über die Plotholes nachzudenken, wirkt sich das nicht unbedingt positiv aus. Dazu drehen die Autoren die innere Logik immer gerade so, wie sie es brauchen – doch Popcorn-Unterhaltungs-Schwamm drüber. Die Erklärung, warum das Museum des Nachts erwacht, ist in die Story integriert, muss im Sinne des Spaßes einfach so hingenommen werden. Immerhin: Wenigstens einen einigermaßen passablen Unterhaltungsfaktor bietet „Nachts im Museum“ trotz der vielen Unzulänglichkeiten, der praktisch nicht vorhandenen Dramaturgie und verschenkten Chancen - dafür lassen die Stars nicht allzuviel anbrennen. Auf der Endabrechnung ist das dennoch zu wenig.

Alles in allem nur: 2 Punkte von 5

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